1917, auf Veranlassung von Präsident Woodrow Wilson, gründete der Texaner Edward Mandell House „The Inquiry“ mit ca. 100 Personen. Die Aufgabe des „Inquiry“: Sammlung von Informationen über geopolitische Zusammenhänge in Europa, besonders über die Reiche der Besiegten. Wegen überwiegend isolationistischer Haltung der US-Bevölkerung waren derartige Detailkenntnisse im Außenministerium damals nicht vorhanden. Aus dem „Inquiriy“ heraus entstanden in der Folge der Friedensverhandlungen von Paris in den USA der heutige wichtigste politische US-Thinktank, der„Council on Foreign Relations“ und in England seine Schwesterorganisation, das „Chatham House.“
Walter Lippmann war eine maßgebliche Person im Zirkel des „Inquiry“. Über diesen schrieb Werner Rügemer in einem Artikel der NachDenkSeiten: „Im März 1943 schrieb Lippmann: Nach der Eroberung Nordamerikas, Mittelamerikas, der Karibik, der Philippinen und mehrerer Inseln im Pazifik (Wake, Huam, Hawaii, japanische Mandatsinsel) sind die USA gezwungen gewesen, „zwei Drittel der Erdoberfläche von unserer kontinentalen Basis in Nordamerika aus zu verteidigen. […] Die USA werden ihre eroberten Gebiete, so der Geostratege, nun nicht mehr allein von ihrem nordamerikanischem Territorium und den verstreuten Inseln im Pazifik aus „verteidigen“ können. Vielmehr könne und müsse Amerika jetzt seine „Verteidigungs“linie entscheidend erweitern, „indem wir unsere Außenpolitik auf zuverlässige Bündnisse in der Welt gründen.“ […] Damit könnten die USA von den bisherigen passiven zur aktiven „Verteidigung“ ihrer nationalen Interessen übergehen […] und die verschärfte militärische Expansion wurde als „Verteidigung“ ausgegeben. […] 1947 wurde das Kriegsministerium beschö-nigend und faktenwidrig in Verteidigungsministerium (Defense Department) umbenannt. Konsequenterweise lief dann auch die NATO unter „Verteidigungs“ – Bündnis.“
Am 12. September 1990 wurde in Moskau der „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“ – besser bekannt als „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ unterzeichnet. Unterzeichner für Deutschland waren Hans-Dietrich Genscher, für die USA James A. Baker III und für die UdSSR Eduard Schewardnadse. Baker hatte Schewardnadse und Gorbatchov in einem Telefonat zugesagt, dass sich die NATO im Falle einer deutschen Wiedervereinigung „Not One Inch“ nach Osten erweitern würde. Dieses Telefonat vom 9. Februar 1990, wurde protokolliert, aber anschließend unter Verschluss gehalten. Jahre später wurden Teile daraus für die Öffentlichkeit freigegeben. Vieles ist nach wie vor geschwärzt (oder sonst wie unkenntlich gemacht), aber das „Not One Inch“ – Versprechen kann jeder lesen (Seite 6). Es ist also falsch, wenn Leitmedien und führende Politiker heute behaupten, dass diese Zusage nie schriftlich gegeben wurde. Sie wurde – wenn auch nicht in Vertragsform. Das allerdings braucht es auch nicht, denn aus russischer Sicht ist dieses Dokument ein schriftliches Versprechen, dass sich die NATO nicht erweitern würde. Was daraus wurde, ist bekannt: Es wurde gebrochen – vom Westen – von den USA! Wie schon so oft!
7 Monate nach diesem Telefonat wurde der 2+4-Vertrag unterzeichnet. Darin heißt es in Artikel 5, Absatz 3: „Nach dem Abschluss des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte vom Gebiet der heutigen Deutschen Demokratischen Republik und Berlins, können in diesem Teil Deutschlands auch deutsche Streitkräfteverbände stationiert werden, die in gleicher Weise militärischen Bündnisstrukturen zugeordnet sind wie diejenigen auf dem übrigen deutschen Hoheitsgebiet, allerdings ohne Kernwaffenträger. […] Ausländische Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt.“
Auch dieses schriftliche Versprechen an Russland wurde vom Westen gebrochen: „Pistorius weiht taktisches Hauptquartier für NATO ein. Das neue taktische Hauptquartier, das unter der Führung eines deutschen Admirals und eines polnischen Stellvertreters steht, soll eine entscheidende Rolle beim Schutz der Interessen der NATO – Staaten spielen. […] In Friedenszeiten besetzen Soldatinnen und Soldaten dieser Länder (= ausländische Streikräfte, Anmerkung des Verfassers) 60 multinationale Dienstposten im Hauptquartier. Im Krisen- oder Konfliktfall kann der Stab aus bis zu 240 Dienstposten erweitert werden. […] Pistorius unterstrich die Bedeutung der Ostsee […]. Die Region habe eine enorme geopolitische Bedeutung und sei zentral für die kollektive Verteidigung der NATO.“
Doch die Reaktion folgt auf dem Fuße: Die Änderungen der russischen Nukleardoktrin. Und der russische Präsident legt nach. Doch trotz alle dem wird Boris Pistorius in Umfragen als beliebtester Politiker in Deutschland gehandelt. Deutschland – einmal mehr auf dem Weg zum Krieg gegen Russland? Viele unserer Väter, die nicht erst gefragt wurden, ob sie gerne an dem „Unternehmen Barbarossa“ teilnehmen möchten, würden sich vermutlich bei Kenntnis dieser Sachlage im Grabe umdrehen.
Artikel 26, Absatz 1, Grundgesetz: „Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.“

