Am 17. Januar 2026 war dieser Beitrag von der evangelischen Theologin Andrea Seeger auf HR1 zu hören. In Resonanz darauf erreichte uns ein Schreiben, das wir unserer Leserschaft nicht vorenthalten möchten und mit Zustimmung des Verfassers / der Verfasserin nachfolgend veröffentlichen, das aber nicht notwendigerweise die Meinung des Gesprächskreises Darmstadt der NachDenkSeiten widergibt.
Guten Tag Frau Seeger,
In 2014 wurde in der Ukraine ein völkerrechtswidriger Regierungswechsel herbei geführt. Selbst die parlamentarische Abstimmung erreichte nicht die erforderliche Mehrheit zur Abwahl des damaligen Präsidenten Viktor Janukowytsch. Dieser Putsch wurde, bekannterweise, durch die USA mit vielen Milliarden USD finanziert. Den Menschen im Osten der Ukraine wurden danach keine Renten mehr gezahlt, Strom und Gas abgestellt. Im Lauf der folgenden Jahre fielen etwa 14.000 Menschenleben dem – durch die Ukraine entfachten Bürgerkrieg – zum Opfer. Mittlerweile ist es ja nicht unbekannt, wozu die Minsker-Abmachungen dienten.
Am 16.02.2022 ließ der Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj – der wegen Friedensversprechen gewählt wurde – die Donbass-Städte beschießen. Mehr als 1000 Raketen und Granaten schlugen an jenem Tag in zivile Strukturen dieser Städte ein. Die OSCE zählte in den folgenden Tagen gar noch mehr Einschläge. Die Menschen im Donbass waren in akuter Lebensgefahr. Und Sie erzählen etwas von einem russischen Überfall?
Wenn es um Krieg ging, hat die Kirche schon immer die christlichen Werte mit Füßen getreten. Und Sie reihen sich kritiklos ein!
Wie stellt sich ihr Sohn eigentlich Krieg vor? Mit siegreichen, barbusigen Heldinnen und wenn es doch eng wird, den PC abschalten?
Selbst Schach ist ein Kriegsspiel, aber Krieg kein Schachspiel.
Wohl kaum anzunehmen, die „Russen kommen“ ungehindert mit der Bahn durch Polen angereist, um dann an der Neiße loszulegen!
Die heutige Zerstörungskraft „moderner“ Waffen ist mit der eines WW2 nicht mehr vergleichbar. Die sind neben der erheblich gesteigerten Zerstörungskraft wesentlich zielgenauer und die Konstruktionen zudem auf den größtmöglichen Schutz der militärisch wertvollen und kostspieligen Soldaten ausgelegt. Es werden die Zivilisten leiden, um das mal ganz vorsichtig auszudrücken. So gesehen scheint Ihr Sohn fein raus zu sein. Welchem Erfolg misst er denn seiner „Verteidigung“ bei, falls er im Krieg sein noch junges Leben lassen sollte? Oder sind es die Anderen, um locker zu bleiben?
Vor bereits fünf Jahrzehnten bin ich aus der evangelische Kirche ausgetreten. Wohlweislich hat sich an den Gründen nichts geändert und ich benötigte keine Broschüre zur Anleitung. Dadurch wurden meine christlichen Werte allerdings nicht bedeutungsloser.
Heute werde ich in Foren für unzurechnungsfähig erklärt und Denken wird mir abgesprochen, wenn ich für FRIEDEN plädiere.
Sie könnten Ihrem Sohn ja auch erklären, dass Krieg Scheiße ist. Das spart jede Broschüre.
Wo ist Ihr Ruf, als evangelische Geistliche, nach FRIEDEN?
Mit freundlichen Grüßen
KB

