Leserbrief vom 17.01.2025
Focus Online berichtet, dass laut einer Forsa–Umfrage derzeit 28% der Bürger noch nicht wissen, ob sie überhaupt und wenn ja, wen sie wählen sollen. Der Meinungsforscher Manfred Güllner zeigt sich davon überrascht: Das sei untypisch und zeige, wie verunsichert Menschen sind, „dass sie nicht mehr wissen, wen sie überhaupt noch wählen sollen.“
SELBST SCHULD. Wenn Menschen nicht mehr wissen, wen sie noch wählen sollen, ist das ihrem eigenen Verhalten zuzuschreiben. Sie sind nicht zu bedauern, sie haben es sich selbst so eingebrockt.
Nachfolgend angesprochen wird weniger die junge Generation. Wir „Alten“ waren vor 50 Jahren auch nicht besser, deshalb muss man sich über politisches Desinteresse bei den Jüngeren weniger aufregen. Das kommt schon noch (oder auch nicht). Da Demografie bedingt aber die ältere Generation zahlenmäßig überwiegt, gilt ihr die nachfolgende Kritik. Denn wer von ihnen interessiert sich heute noch für Geschichte und Politik? Wer von ihnen hat schon die UN-Charta gelesen? Oder Parteiprogramme? Wer vergleicht Versprechungen vor der Wahl mit den Taten danach? Olivgrüne Bellizisten warben im Wahljahr 2021 z. B. mit dem Slogan: „Frieden schaffen ohne Waffen“. Und, tun sie das? Sozialdemokraten plakatierten die „beste medizinische Versorgung für alle“. Und, haben wir die? Und die Schwarzen? Sie haben in 16 Jahren Merkel mit der Doktrin der „Schwarzen Null“ die erste Brücke in Deutschland zum Einsturz gebracht. Klasse Leistung!
In meinem Umfeld steht Fußball oft im Mittelpunkt. Das geht so weit, dass in manchen Gruppen mit gemeinsamen Interessen, Musik z. B., Politik als Thema geächtet ist, damit mehr Zeit verbleibt der Debatte über die letzten Fußballergebnissen zu widmen (anstatt zu üben). Insbesondere bei der „Generation Elvis“ folgen die Themen Enkel und Reisen, wobei Kreuzfahrten hier ganz hoch im Kurs liegen. Der Fokus liegt aber auf Kabinenausstattung, kulinarischem Angebot und Entertainment. Über die sozialen und politischen Strukturen der „angeschifften“ Länder und ihre Geschichte ist so wenig bekannt, dass es in einem Schulaufsatz noch nicht einmal zu einer Sechs reichen würde. Konvertiert eine Enkelin zum Islam, wissen ihre Mütter und Großmütter nicht einmal ob zur sunnitischen oder schiitischen Linie. Und bei allen diesen Beispielen ist der negative Einfluss endloser trivialer Talkshows, Koch- und Quizsendungen, die sich diese unsere Generation täglich reinzieht, noch gar nicht erwähnt.
In einer solchen älteren Gesellschaft muss man sich nicht wundern, wenn die Menschen nicht mehr wissen, was sie noch wählen sollen. Sie haben sich nie damit befasst!

