Wadepul – Schwer ertragbar

Wie geht man damit um? Wie verkraftet man den Schwachsinn, mit dem wir von Politik und Medien umgeben sind?

„Wadepul im Nahen Osten: Ein solches Ausmaß der Zerstörung habe ich noch nie gesehen.“

Beim Lesen der Überschrift konnte man den Eindruck gewinnen, dass es um Gaza ginge. Denn von dort wurden erst neulich von Drohnen aufgenommene Bilder gigantischer Zerstörungen gezeigt. Tatsächlich ging es aber um Syrien und den Libanon. Doch auch von Syrien gibt’s seit vielen Jahren  die erschreckendsten Bilder, hier nur ein Beispiel.

Wenn ein „umstrittener“ Außenminister wie Wadepul („Russland wird immer unser Feind sein“) allen Ernstes behauptet, derartige Zerstörungen noch nie gesehen zu haben, kann man nur noch fragen: Ja wo leben Sie denn? Solche Bilder nicht zu kennen zeugt von Inkompetenz und das ausgerechnet im außenpolitischen Amt zu Zeiten, wo der Welt eventuell der nächste Weltkrieg um die Ohren fliegt.

Im Artikel ist weiter zu lesen, dass der zwischen Israel und dem Libanon im November 2024 vereinbarte Waffenstillstand mehr als 1500 mal von israelischer Seite gebrochen wurde, die Hisbollah sich aber offenbar an das Abkommen hielt – Zitat:

…die Hosbillah hingegen griff Israel seitdem nicht mehr an. Die libanesische Armee entwaffnete die Miliz in großen Teilen des Grenzgebiets zu Israel. Das sich laut Waffenstillstandsabkommen aus seinen fünf Stützpunkten im Süden der Landes zurückziehen sollte. Derzeit ist aber das Gegenteil der Fall, seit Monaten greift Israel täglich Ziele in Libanon an. Am Donnerstag attackierten Bodentruppen die Ortschaft Blida an der Grenze und nahmen die örtliche Verwaltung unter Beschuss, ein Gemeindearbeiter wurde nach libanesischen Angaben im Schlaf getötet. Die israelische Armee will den Vorfall untersuchen lassen. Libanons Präsident Joseph Aoun wies die Armee an, sich künftig israelischen Angriffen entgegenzustellen, was eine Eskalation bedeuten würde.“

Kein Wort in dem Artikel, dass diese „fünf Stützpunkte“ Israels im Libanon völkerrechtlich illegal sind. Trotzdem hält sich der Libanon an das Abkommen und Israel agiert als Aggressor. Als solcher will es auch den eigenen Mord an dem Gemeindearbeiter aufklären. Das Ergebnis dürfte jetzt schon klar sein. Und wenn sich die libanesische Armee verteidigt, führt das zur „Eskalation“?? Wenn sich die Ukraine gegen Russland verteidigt, heißt es, das sei ihr „Recht auf Selbstverteidigung“. Wenn’s aber der Libanon gegen Israel tut, dann ist das eine „Eskalation.“ Wie bitte? Wer „eskaliert“ denn hier gegen wen?

Nachdem sich der libanesische Präsident über das Vorgehen Israels bei Wadepul beschwert hatte, schien dieser mit einer guten Antwort offenbar überfordert. Nur so kann wohl der mit diplomatischer Floskel versteckte Hinweis auf die deutsche „Staatsräson“ erklärt werden. Eine konkrete Maßnahme wäre gewesen, dem Präsidenten zu versichern, dass ab sofort sämtliche Waffenlieferungen an Israel blockiert werden.

Kann man, wenn es um das Vorgehen des israelischen Staates bei derartigen völkerrechtswidrigen Vorgängen in der Levante geht, das dann auch so nennen? Oder läuft man Gefahr, dass es ganz schnell zu Empörungen führt mit Konsequenzen wie neulich in Jerusalem, weil jegliche Kritik am Vorgehen Israels sehr schnell als Antisemitismus ausgelegt werden könnte? Die Antwort ist ungewiss, aber die Botschaft versteht man wohl: Wähle deine Wort mit Bedacht. Besser noch: Halt‘ am Besten gleich die Klappe.